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Ein Werk des Warburger Goldschmieds und Kupferstechers Antonius Eisenhoit (1553/54 - 1603)

Das Militärwesen der Stadt Warburg wurde 1591 neu organisiert. Als modern ausgerüstete und schlagkräftige Kerntruppe wurde die Schützengesellschaft, die dem Rat unterstand, ins Leben gerufen. Der Schützengesellschaft stiftete der Rat der Stadt ein Mittelstück für eine Schützenkette, das Schützenkleinod von 1592. Das Wort "Kleinod", von Hause aus "zierlicher Besitz" bedeutend, wurde früher nicht nur bei Kunstwerken gebraucht; auch das einfachste Abzeichen einer Schützengesellschaft auf dem Lande wurde so genannt.
Das ganz aus gediegenem Silber gearbeitete Kleinod ist 15,4 cm hoch und 11,6 cm breit. Es besteht aus zwei vernieteten Teilen, einer großenteils gegossenen Vorderplatte, die in der Mitte gehaltene Doppellinie, von einem Kranz kleiner Lilien umgeben, in einer schön geschweiften Kartusche, wie sie für die Spätrenaissance typisch ist, aus Rollwerk, Voluten und Füllhörnern. Die Kartusche wird von zwei auf Postamenten stehenden Pilastern eingerahmt, die im unteren Teil von Füllhörnern überdeckt werden und unter den Kapitellen Masken, über den Kapitellen kleine geflügelte, auf ein Buch gestützte Engel tragen; letztere sind, wie ein untergelötetes Silberplättchen erkennen läßt, erst später aufgesetzt. Über der Kartusche droht beherrschend eine maskenhafte Medusa mit ausgebreiteten Schwingen, unter der Kartusche sitzt ein Engelskopf, dessen Fittiche über die Pilasterpostamente hinausragen. Im unteren Drittel erfährt die Komposition eine Ausbuchtung, in dem rechts und links zwei nixenartige Gestalten mit hochgezogenen Flügeln sich um einen Knauf schmiegen. Bei genauer Betrachtung der Vorderseite stellt sich heraus, daß Eisenhoit in der Gestaltung des Schützenkleinods größtenteils auf bereits in seiner Werkstatt vorhandene Formen zurückgriff, die er zu einem selbständigen, völlig neuen Kunstwerk kombinierte. Diese Formen finden sich auf weiteren sacralen Kunstwerken Eisenhoits wieder. Genuin neu ist auf jeden Fall die Kartusche mit der Warburger Lilie, die in der Mitte prangt. Dem heutigen Betrachter fällt es nicht leicht, den Sinngehalt der vielen Ornamente zu ergründen.
An dieser reich gestalteten Vorderseite wurde eine Platte als Rückseite gefestigt. Auf diese Platte ist ein prachtvoller Adler graviert, der mit ausgebreiteten Flügeln eingekrallt auf einem mit Blattwerk gezierten Ast sitzt. Die meisterhafte Gravur auf der Rückseite wurde im Laufe der Jahre durch die Einkritzelung von Namen und Jahreszahlen entstellt. Die Jahreszahlen reichen von 1706 bis 1871.Über dem Adler, der als Erinnerung an das einstige Vogelschießen ein passendes Emblem der Schützengesellschaft ist, zieht sich in einer mit den Spitzen der Schwingen verbundenen Bogenfläche die bekannte Inschrift: Ahn Godt niemand verzage - geluk kümpt aldage (An Gott niemand verzage - Glück kommt alle Tage). Darüber ist das Jahr des ersten Schützenfestes nach der Neugründung der Schützengesellschaft eingraviert: 1592.
Seitdem hat nach jedem Schützenfest der Schützenkönig dies kunstreiche Ehrenschild auf der Brust getragen, und er trug es früher auch an den vier "Hochzeiten" des Jahres (Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt) und bei den Prozessionen, wenn die Schützen zur Ehre Gottes an den kirchlichen Veranstaltungen mitwirkten.
Den Wert dieses Kunstwerkes hat man bis in 80er Jahre des 19. Jahrhunderts nicht zu schätzen gewusst. Deshalb nahm man es vielleicht auch nicht allzu tragisch tragisch, als bei der Aufhebung aller Zünfte und Gilden durch die Regierung des Königreichs Westfalen von Napoleons Gnaden im Jahr 1811 deren Vermögen beschlagnahmt und mit der Versteigerungsmasse auch das Schützenkleinod meistbietend versteigert wurde. Nun aber war damals der frühere Freigraf Wilhelm von Hiddessen, der 1803 preußischer Bürgermeister von Warburg geworden war, seit 1807 "westfälischer" Maire seiner Vaterstadt und des Kantons. Er ist der Retter des Schützenkleinods geworden. Er kaufte es den Franzosen ab und gab es später der neuerweckten Schützengesellschaft zurück. Die Worte, mit denen er beim Schützenfest am ersten Pfingsttag 1818 das Kleinod zurückgab, sind überliefert: "Hier ist es wieder,ich habe es gekauft und habe es bezahlt. Ich habe es 7 ganze Jahre als ein altes Sinnbild unverletzt aufbewahrt. So sei es Euch denn am heutigen Tage als ein unwiderrufliches und gemeinschaftliches Eigentum aus meinen Händen geschenkt":
Das bisher letzte Abenteuer erfuhr das Kleinod, als es beim Einmarsch der Amerikaner von den Stadtkämmerern Schaller und Drolshagen im Drolshagenschen Garten vergraben wurde, um es vor unberechtigten Zugriff zu sichern.
Quellen:
- Antonius Eisenhoit - Bürger und Goldschmied zu Warburg - Hrsg.: Schriften der Sparkassenstiftung für Kultur und Soziales Nr. 5, Sparkasse Höxter,1. Auflage September 2003
- 400 Jahre Warburger Schützenverein 1591 - 1991 - Beiträge zur Geschichte des Schützenvereins, Hrsg : Warburger Schützenverein e. V, Redaktion: Reinhold Albaum
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